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Franz Grillparzer

Franz GrillparzerMaterialien › Hubert Reitterer, Der junge Grillparzer und seine vergessenen Lehrer

Hubert Reitterer

Der junge Grillparzer und seine vergessenen Lehrer: Mederitsch-Gallus, Ridler, Stein

Franz Grillparzer in seiner Selbstbiographie vom Jahre 1853: „Nun kommt eine trübe wüste Zeit […] Ich trat in die Universitätsstudien über. Die Ideen von akademischer Freiheit, die jeden anwandelten, befielen mich stärker als jeden anderen. Leider waren unsere Professoren von solcher Art, daß nur die Gewohnheit des Fleißes, die meine Sache nicht war, zur Fortsetzung desselben aneifern konnte.“[1]

Wir sind also im November 1804, in dem Jahr, als der Absolvent des Gymnasiums bei St. Anna in den ersten der damals bestehenden drei philosophischen Jahrgänge an der Wiener Universität eintrat. Dieser Studienabschnitt, der den weiteren Universitätsstudien, im Falle Grillparzers dem Jus, voranging, umfasste nicht nur die eigentliche Philosophie, sondern z.B. auch allgemeine Naturgeschichte, Mathematik, Griechisch, Latein, allgemeine Geschichte, österreichische Staatengeschichte und Religion. Die erhaltenen Zeugnisse attestieren dem Studenten Grillparzer mit der Note „prima classis“ einen sehr guten Studienerfolg – die beiden höhergradigen sog. „Eminenzen“ hat er jedoch, wie es scheint, nur einmal, in der lateinischen Eloquenz, erhalten.

Wir dürfen uns durch die Worte „philosophische Jahrgänge“ und „Wiener Universität“ nicht täuschen lassen: Es handelte sich um Schulunterricht in einer von den damals auf den sog. „niederen Schulen“ bereits als obligatorisch eingeführten Lehrmethoden unberührten Form, ein Unterricht, gehalten von meist pedantischen Gelehrten vor halben Kindern (Grillparzer z.B. war 1804 14 Jahre alt) und beschränkt auf das Auswendiglernen (und die getreue Wiedergabe des Gelernten) behördlicherseits genauestens vorgegebener Inhalte. Doch gab es auch Ausnahmen, wenn auch nicht aus der Sichtweite einer fortschrittlichen Pädagogik : Eine davon waren zwei Lehrer Grillparzers, der Professor der klassischen Philologie und klassischen Literatur Anton Joseph Stein, und der Professor der Universal- und österreichischen Staatengeschichte, Johann Wilhelm Ridler. Auf ersteren werde ich erst im dritten Teil meines Vortrages zu sprechen kommen.

Von Ridler schreibt Grillparzer in seiner Selbstbiographie: „Am meisten befriedigte uns der Professor der Geschichte, trotz seiner vollendeten Geckerei. Sein Vortrag war affektiert, aber lebhaft. Da mir die Geschichte seit meinen Kinderjahren geläufig war, so fand ich mich hier am besten zurecht. Ich erinnere mich sogar, daß er meine Art, die Geschichte zu studieren, sämtlichen Mitschülern als Muster empfahl, da bei einer Prüfung über die Handelswege der Alten, er aus meinem Herumzeigen mit den Fingern auf der Schulbank abnahm, daß ich mit Zuhilfenahme der Landkarte studiert hatte.“[2]

Dieses zumindest wohlwollende Bild Ridlers aus dem Jahre 1853 wird aber beträchtlich getrübt durch die durchaus nicht wohlwollende Behandlung der Person des Professors Rimbold in Grillparzers erstem dramatischen Versuch, dem Lustspiel Die unglücklichen Liebhaber, geschrieben etwa im Frühjahr 1806.[3] In dem anspruchslosen, die Lektüre von Komödien Shakespeares, von Molière, Voltaires Candide, Kotzebue und Alois Blumauer (angereichert mit Lesefrüchten aus dem Latein- und Griechischunterricht) verratenden Werkchen spielen, nach des Dichters eigenen Worten, „unsere Professoren mit ihren bis zur Karikatur getriebenen Eigenheiten die Rolle der unglücklichen Liebhaber“. Es treten in ihm, in „Räte bei einem Justizkollegio“ verwandelt, sieben seiner Universitätslehrer auf, deren Rollennamen alle mit den Anfangsbuchstaben ihrer tatsächlichen Namen übereinstimmen. Sie bewerben sich sämtlich um die Hand der Tochter eines Kanzlisten in ebendiesem Kollegium, natürlich vergeblich, denn diese liebt, und bekommt schließlich auch, einen anderen. Der Schüler Grillparzer hat sein Anliegen, die Eigenheiten seiner Lehrer bloßzustellen, mit jenem satirischen Scharfblick verwirklicht, wie es der Dichter Grillparzer etwa in seinen Epigrammen tun sollte: Carusius (Franz Carpe, der Professor der Logik und Metaphysik) „löst sich in seine ersten Atome auf“, der „algebraisch-cholerische“ Donner (Remigius Döttler, der Professor der Mathematik ) „stößt sich seinen Handzirkel durch das Herz und ruft den heiligen Antonius von Padua, den Schutzpatron der Schweine an“ usw.

Uns aber interessiert hier der „phantastisch-historische Rimbold“, also Grillparzers Lehrer der Geschichte, Johann Wilhelm Ridler. Um ihm gerecht zu werden, genügen weder der Schüler Grillparzer noch die einschlägigen literaturgeschichtlichen Kommentare. Daher sind einige nicht gerade „phantastische“, sondern vielmehr „historische“ Informationen nötig.[4]

Johann Wilhelm Ridler war ein Deutschböhme. Er wurde am 12. April 1772 in Leitmeritz als Sohn eines ehemaligen k.k. Offiziers, nunmehrigen bescheidenen k.k. Tabak- und Gefällencommissärs geboren, absolvierte 1787–1791 an der Prager Universität die philosophischen Jahrgänge und begann ein Jusstudium, um sich für den Staatsdienst vorzubereiten. Seine andauernde Achtung und Anhänglichkeit gegenüber seinen Prager Lehrern (Karl Heinrich Seibt, August Gottlieb Meißner, Ignaz Cornova) – alle führende Persönlichkeiten der sog. Prager „intellektuellen Allianz“, – hat ihn in seinem folgenden Lebensweg nicht behindert, obwohl diese Gruppe „von aufgeklärten Philosophen und volksbildnerisch orientierten Sprachforschern, humanistisch und sozialreformerisch gesinnten Denkern, von Spätjosephinern und Reformkatholiken“ von der Regierung mit Misstrauen beobachtet wurde.[5] Ridler hat vielmehr eine jener Karrierechancen genützt, die die sich zu seiner Zeit einem begabten jungen Mann aus kleinen Verhältnissen geboten haben Er ging nach Wien, wurde Erzieher im Hause eines einflußreichen Mannes (des Großhändlers Wilhelm Freiherrn von Natorp) und erregte darüber hinaus im Zuge der Fortsetzung seiner Studien an der Universität die Aufmerksamkeit des Professors für klassische Literatur Franz Hammer dessen Grillparzer in seinen Unglücklichen Liebhabern mit dem epitheton non ornans als des „ausgemergelten Harm“, der „fremde Philosophien beckrittelt, bis ihm der Aerger das Herz abfrißt“ gedenkt. Über Hammers Vermittlung supplierte er einige Jahre die Universitäts-Lehrkanzel für Universal- und österreichische Staatengeschichte, wurde 1804 zum Professor dieser Fächer ernannt, bekleidete 1811/12 sowie 1823/24 die Stelle des Dekans der Philosophischen Fakultät und 1829/30 die des Rektors. Eine wesentliche Förderung seiner Laufbahn stellte wohl seine Verbindung zum Kaiserhof dar, an dem er 1807–1809 Erzieher bzw. Lehrer der Weltgeschichte (u.a. der Kaiserin Maria Ludovica und des späteren Kaisers Ferdinand I.) war. Ridler wurde im Jahre 1809 bei der k.k. Studien-Hofkommission angestellt, bis er 1814 zum Vorsteher der Wiener Universitätsbibliothek bestellt wurde. Diese Funktion übte er bis zu seinem Tode am 23. Jänner 1834 aus.

Würde ich hiermit meine Darstellung Ridlers abschließen, so hätte ich wohl wenig oder nichts getan, um mich Franz Grillparzer nicht anzuschließen, der für seinen „historisch-phantastischen Rimbold“ noch nach fast 50 Jahren kein Wort über die nicht hoch genug einzuschätzenden Verdienste des Bibliothekars Johann Wilhelm Ridler gefunden hat.

Diese Verdienste im Detail anzuführen, würde den zeitlichen, aber auch fachlichen Rahmen meines Vortrags allerdings erheblich überschreiten. So sei lediglich auf die ausführliche Darstellung des Reformwerkes Ridlers von Walter Pongratz verwiesen, in der der Autor den beharrlichen Kampf dieses „ersten Vorstehers der Bibliothek“ darstellt, „der wirklich in ihr gearbeitet und das Institut zwanzig Jahre lang mit vorbildlichem Eifer, Einsatzfreudigkeit und hervorragender Sachkenntnis geleitet hat.“[6] Pongratz resümiert:

„(Seine) Geschäftsgewandtheit, seine Menschen- und Beamtenkenntnis, seine Beharrlichkeit und Unerschrockenheit den vorgesetzten Behörden gegenüber, seine hohe Auffassung vom Berufsbild des Bibliothekars, sein praktischer, mit wissenschaftlichem Streben verbundener Sinn, sein großer Fleiß und seine vorbildliche Fürsorge für seine Beamten kennzeichnen vor allem die Persönlichkeit dieses Mannes. Trotz aller Widrigkeiten gelang es ihm [ … ], eine Reform auf allen Gebieten durchzusetzen und die Grundlagen zu einer neuen, entwicklungsfähigen Organisation zu schaffen. Er hat die Systematisierung eines größeren Beamtenstandes schließlich doch erreicht, dessen halbwegs würdige finanzielle und gesellschaftliche Stellung erkämpft […]“[7]

Ridler hat aber auch ein heute noch sichtbares Zeugnis seiner Verdienste um das Bibibliothekswesen hinterlassen. Ich meine den Erfolg seines siebenjährigen Kampfes um einen Erweiterungsbau der Universitätsbibliothek (jetzt das Universitätsarchiv in der Postgasse), der 1829 fertiggestellt wurde. Und sie werden mir meine vielleicht allzu aktualisierende Ironie nachsehen, wenn ich aus einem die jahrelange Verzögerung des Baues betreffenden amtlichen Bericht Ridlers zitiere, in welchem er den zuständigen Referenten bei der nö. Landesregierung einlädt, „sechs Wochen lang auf der hiesigen Bibliothek zu praktizieren, um die Annehmlichkeiten, die der Unterfertigte genießt, gleichfalls zu verkosten, und vertrauter mit der Menge der der umfassenden Geschäfte zu werden.“ „Der Unterfertigte“, so fährt er fort, „der den Fleiß und die Fähigkeit des Herrn Referenten genau kennt, ist überzeugt, dass derselbe nach dieser kleinen Probezeit in die Äußerungen eines Mannes, der sich auf eine zwölfjährige Erfahrung stützt, künftighin mehr Vertrauen setzen und die Bibliothek mit der Überzeugung verlassen werde, dass sechs Individuen mit Fleiß und Fähigkeiten ihm völlig gleich, auch nach zwanzig Jahren noch volle Arbeit zur weiteren Organisierung der hiesigen Bibliothek finden werden.“ Der Referent hat diesen Bericht zurückgewiesen und eine Neufassung verlangt.[8]

Ich möchte zum Schluss dieses Abschnitts noch hinzufügen, dass das nach dem Tod Ridlers eingetretene Provisorium erst 1837, also nach drei Jahren, durch die Bestellung Franz Lechners ein Ende fand. Unter den Bewerbern hatte sich in der dem Staatsrat vorgelegten abschließenden Terna auch der Vater des späteren Wiener „Musikpapstes“ Eduard Hanslick befunden: der Prager Bibliothekar und Verfasser einer im Autograph erhaltenen Satire auf alle denkbaren menschlichen Schwächen überhaupt und auf jene der prager Gesellschaft im Besonderen, Josef Adolf Hanslik (wie er sich selbst noch geschrieben hat). Franz Grillparzer aber hat es nicht überwunden, dass seine Bewerbung bereits im Vorverfahren ausgeschieden worden war.[9]

Wolfgang Amadeus Mozart an seinen Vater, Wien, 5. Februar 1783: „… künftigen freytag als übermorgen wird eine Neue Opera gegeben werden, die Musique I:ein Galimathias:I vom einem hiesigen Jungen Menschen, scolaren vom Wagenseil, welcher heist Gallus Cantans, in arbore sedens, gigirigi faciens, – Vermuthlich wird sie nicht viel gefallen; – aber doch besser als ihre vorfahrerin, eine alte opera von gasman […], welche mit Mühe 3 representationen ausgehalten […]“[10] Der krähende Hahn (gallus), der auf einem Baum sitzt und „Kikeriki“ macht, war der als Musiker wie als Persönlichkeit bis zur Seltsamkeit ambivalente Klavierlehrer Franz Grillparzers, Johann Gallus Mederitsch, zumeist als Mederitsch oder Mederitsch detto Gallus bekannt. Diese zitierte Äußerung Mozarts ist nun nicht so eindeutig abwertend, wie es in der Literatur dargestellt wird. Zwar wurde das Stück, das dreiaktige komische Singspiel Rose, oder Pflicht und Liebe im Streit, Text von Johann Gottlieb Stephanie d.J., 1783 immerhin am Wiener Hof- und Nationaltheater aufgeführt, es hatte aber tatsächlich keinen Erfolg und wurde nur einmal wiederholt. Andererseits aber bedeutet die Bezeichnung Mederitschs als Schüler des großen Wiener Hofkomponisten und Kontrapunktisten Georg Christoph Wagenseil ein Kompliment von Seiten des mit diesem wohlvertrauten und musikalisch beeinflussten Mozart. Auch sein Vergleich mit der Opera buffa La notte critica des Hofkapellmeisters Florian Leopold Gassmann fällt zum Vorteil Mederitschs aus. In diesem Sinne ist die lateinische Persiflierung des Namens „Gallus“ der Lust Mozarts an assoziierenden Sprachspielereien zuzuschreiben.

Diese Ambivalenz zwischen Scherz und Ernst in der Beurteilung Mederitschs ist auch in Grillparzers Erinnerungen zu verspüren und es ist auffällig, wie ausführlich und detailreich, ja eigentlich liebevoll der Dichter noch nach 50 Jahren seines in seinen Augen seltsamen Lehrers gedenkt: „In die Stadt zurückgekommen (Grillparzer war damals etwa neun Jahre alt), wurde ein eigener Klaviermeister aufgenommen. Leider war meine Mutter in der Wahl nicht glücklich. Sie verfiel auf einen Johann Mederitsch, genannt Gallus, einen, wie ich in der Folge erfuhr, ausgezeichneten Kontrapunktisten, der aber durch Leichtsinn und Faulheit gehindert wurde, seine Kunst zur Geltung zu bringen. Bestellte Arbeiten konnte niemand von ihm erhalten, eine begonnene Oper mußte der Kapellmeister Winter vollenden, ja, durch einige Zeit in den Diensten des letzten Königs von Polen, ging er jedesmal zur Hintertüre hinaus, wenn der Wagen des Königs am vorderen Tore anfuhr, so daß dieser ihn endlich entließ, ohne ihn je spielen gehört zu haben. Um nicht geradezu zu verhungern, mußte er Klavierunterricht geben, obwohl es ihm widerlich genug war. Mich gewann er lieb, aber sein Unterricht war eine Reihe von Kinderpossen. Die Finger wurden mit lächerlichen Namen bezeichnet: der schmutzige, der ungeschickte. Wir krochen mehr unter dem Klavier herum, als daß wir darauf gespielt hätten. Meine Mutter, die gegenwärtig war, begütigte er dadurch, daß er in der zweiten Hälfte der Stunde und oft darüber hinaus, phantasierte und fugierte, daß ihr das Herz im Leibe lachte. Statt mir Fingersatz und Geläufigkeit beizubringen, machte es ihm Spaß, mir bezifferten Baß spielen zu lassen, ja einmal komponierte er, der Faule, sogar für mich ein Konzert mit allen Instrumenten, das ich in seiner Wohnung aufführen mußte, bei dem, da ich gar nichts konnte, das Klavier wahrscheinlich nur einzelne Töne und Akkorde hatte, indes die Instrumente das übrige taten. Für einen Spaß konnte er sich sogar Mühe geben, zum Ernste war er nie zu bringen. Und doch war er kein Spaßmacher, mehr kindisch als scherzhaft.“[11]

Und weiter, als Grillparzer auf von ihm und anderen Kindern veranstaltete Theaterabende zu sprechen kommt und das Desinteresse seines Vaters an diesen konstatiert : „ Die Mutter wurde dadurch gewonnen, daß unser Klavierlehrer Gallus, der die Sache, wie jede Kinderei, mit Eifer auffaßte, sich bereit erklärte, unsere Produktionen mit Ouvertüre und Zwischenakten in freier Phantasie auszuschmücken. Diese seine Improvisationen, zu denen er, wenn die Handlung bedeutender wurde, sogar melodramatische Begleitungen fügte, verschaffte unseren Absurditäten sogar eine gewisse Zelebrität. Einige Musikfreunde nämlich, worunter ein uralter Baron Dubaine, ein Vor-Mozartischer Kunstfreund, die nie Gelegenheit hatten, Gallus spielen zu hören, fanden sich nämlich, ohne sein Vorwissen, im Nebenzimmer ein, wo sie, durch die fingerweit offen gelassene Tür, sein Klavierspiel entzückt behorchten […]“[12]

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Damit wir diese beiden Passagen aus Grillparzers Selbstbiographie verstehen, bin ich Ihnen nun einen Überblick über Leben und Werk seines Lehrers schuldig. Denn wenn sich der Verfasser auch, wie bereits gesagt, auffallend ausführlich mit ihm beschäftigt, so weiß er doch Vieles nicht (oder er verschweigt es), das Mederitsch einen Platz in der Musikgeschichte mit Recht gesichert hat.[13]

Johann Gallus Mederitsch, Sohn des Kirchenmusikers Anton Gallus Mederitsch, wurde am 27. Dezember 1752 in Wien getauft. Er ist hier erstmals bei seiner Heirat 1774 als Musiker und 1779 als Kirchenmusiker dokumentiert. Im selben Jahr erfolgte im Theater im Bauernfeindschen Saal (Wien-Josephstadt) die Uraufführung seines ersten Singspiels und eines Melodrams. 1781/82 Theaterkapellmeister in Olmütz, war er dann in Wien bis 1792 Kontrabassist im Orchester des Nationaltheaters, seine Singspiele Die Seefahrer, Der Schlosser (bereits in Olmütz komponiert) und Die Rekruten wurden am Theater in der Leopoldstadt ur- bzw. erstaufgeführt und erzielten zahlreiche Wiederholungen. Da es ihm jedoch nicht gelang, sich an den Wiener Hoftheatern durchzusetzen (wir haben von dem von Mozart prognostizierten Misserfolg von Rose, oder Pflicht und Liebe im Streit schon gehört) scheint sich Mederitsch vom Genre des Singspiels dann ferngehalten und sich der Kammermusik zugewandt zu haben. Jedenfalls sind die ersten der 20 Drucke seiner insgesamt 43 dokumentierten Streichquartette 1784 bei Schott in Mainz und 1785 bei André in Offenbach erschienen. Von seinem Fleiß und seiner Etabliertheit bei den Wiener Musikverlegern zeugen die Drucke seiner Streichquartette, Streichtrios, Streichduos, Klaviersonaten und Variationen für Klavier bei Hoffmeister, Traeg, Mollo, Eder, Weigl und Artaria. Auf dem Gebiet der Instrumentalmusik sind von ihm 2 Symphonien, 4 Konzertouvertüren, 5 Klavierkonzerte und 1 Flötenkonzert dokumentiert. Er hat auch ausgezeichnete Kirchenmusik (Messen, Stabat mater usw.) geschrieben. Grillparzers Verdikt der Faulheit ist also als subjektiver Eindruck des damals etwa NeunJährigen zu bewerten, ebenso ist von einer Anstellung Mederitschs, angeblich 1786/87, als Hofmusiker beim letzten König von Polen, Stanislaus II., sieht man von der in diesem Zusammenhang kolportierten Anekdote ab, nichts weiteres bekannt.

Mit der Bühnenmusik zu Johann Kalcheggers Schauspiel Die Tempelherren, die er während seiner Tätigkeit als Kapellmeister am Pest-Ofener Theater (1793/94) schrieb, hat Mederitsch jenes Genre betreten, das schon den jungen Grillparzer so besonders erinnerlich geblieben ist: Das der illustrativen, tonmalerischen, ein theatralisches Geschehen begleitenden und unterstützenden Schauspielmusik. Seine beste Arbeit auf diesem Gebiet, die Musik zu Shakespeares Macbeth, uraufgeführt in Pest 1794, hatte nachhaltigen Erfolg und wurde 1796 – vermutlich in einer 2. Fassung – am Freihaustheater auf der Wieden Emanuel Schikaneders wieder verwendet. An diesem Theater war Mederitsch an einem der größten finanziellen Erfolge Schikaneders beteiligt. Er schrieb den 1. Akt der Oper Babylons Pyramiden, die 1797 in Szene ging und bis 1801 64 Aufführungen erlebte. (Der 2. Akt stammt, wie Grillparzer zutreffend anmerkt, von Peter von Winter). Ich werde darauf noch zu sprechen kommen. Zu weiteren Arbeiten für Schikaneder scheint es allerdings nicht gekommen zu sein.

Mederitsch hielt sich 1803–1812 in Lemberg auf, wohin er 1817 endgültig übersiedelte. Allerdings sind Musikalien von ihm 1809 und 1810 in Wien erschienen; dass er hier auch 1806 war, beweist Grillparzers mit der mit 14. Mai dieses Jahres datierten Widmung der Elegie auf den Tod einer Grille an ihn. Es beginnt mit einem Musenanruf, wie er dem jungen Dichter von der Schulbank her vertraut war:

Musen, hüllet mir die Leier,

Die sonst nur der Freud erklang

In der Trauer dunklen Schleier

Klagend halle mein Gesang!

und endet mit

Tot liegt er vor meinen Füßen,

Tot vor meinem feuchten Blick,

Unerweckbar meinen Küssen,

Nimmer kehret er zurück!

Schlafe denn, da dich mein Kummer

Nimmermehr zum Leben ruft,

Schlafe denn den Todesschlummer,

Ruhe sanft in düstrer Gruft![14]

Ob wir hier ein eigenes Erleben des jungen Grillparzer (Grillen wurden damals ja tatsächlich in „Grillenhäuschen“ als Haustiere gehalten) vermuten können, oder bereits auch eine frühe Spur seiner Fixiertheit auf seinen eigenen Namen hineininterpretieren dürfen – so weit möchte ich in meinem Erklärerwillen nicht gehen. Jedenfalls verrät die Widmung an den gewiss grillenhaften Mederitsch einen noch im Jahre 1806 bestehenden Kontakt der beiden. Die kommentierende Germanistik verweist auf den Einfluss der Anakreontik und auf Elegien auf verstorbene Tiere in den Wiener Musenalmanachen.[15]

Mederitsch-Gallus lebte, wie bereits gesagt, ab 1817 in Lemberg; er starb dort am 18. Dezember 1835. Wir wissen nicht viel über diese letzten 18 Jahre seines Lebens, doch das, was wir wissen, verdanken wir dem Sohn dessen, der ihn in seinem eingangs zitierten Brief so herablassend (und doch wieder – wenn auch versteckt – anerkennend) beurteilt hat: Franz Xaver Wolfgang Mozart, seit 1808 (mit Unterbrechungen) selbst Musiklehrer und Komponist in Lemberg . Er nahm bei Mederitsch Unterricht in der Kirchenkomposition und fand in ihm einen überaus geschätzten Freund. Wie sehr er ihn schätzte, geht aus einem Brief hervor, den er im Oktober 1827 an den berühmten Pianisten Ignaz Moscheles nach London gerichtet hat:

„[…] Es lebt hier, seit einem Zeitraum von ungefähr 20 Jahren, der rühmlichst bekannte Componist Johann Mederitsch, genannt Gallus. Ich zweifle nicht, daß seine klassische Musik zu Schackespears [!] Trauerspiele: Macbeth, Ihnen bekannt sein wird, dieses herrliche Tonstück macht überall großes Aufsehen. Auf eine beyspiellose Art um den Lohn seiner Arbeit durch einen treulosen Freund betrogen […], verlor er den Muth zu ähnlichen Unternehmungen. Nun ist dieser 73-jährige Greis, der sich aber noch einer festen Gesundheit erfreut, und dessen Geist noch eben so heiter und lebhaft, wie der eines jungen Mannes ist, durch eine Reihe widriger und unverschuldeter Ereignisse, in eine so traurige Lage versetzt, daß Er, vielleicht der größte Contrapunktist unseres Zeitalters, mit der größten Dürftigkeit zu kämpfen hat […]“[16]

Mozart geht in der Folge rühmend auf Mederitschs Kirchenkompositionen ein, schreibt von dessen in Arbeit befindlichen Schauspielmusiken zu Shakespeares Der Sturm und Hamlet und fügt die Bitte an, […] daß von den edlen Engländern diese herrlichen Tonstücke gekauft und die noch nicht fertiggestellten bestellt werden, und daß dem guten alten Meister eine Darangabe hieher gesendet würde […]“[17] – Ob diese Bitte Erfolg hatte, wissen wir nicht, Mozart jedenfalls ist, obwohl selbst nicht allzu vermögend, für den Unterhalt seines Lehrers bis zu dessen Tod allein aufgekommen. Dieser vermachte ihm seinen gesamten musikalischen Nachlass, der 1841 mit jenem Franz Xaver Wolfgangs an den Salzburger „Dommusikverein und Mozarteum“ überging. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Aufarbeitung der „Mederitschiana“ namentlich durch Theodor Aigner[18] wirft ein neues, überwältigendes Bild auf diesen „vielleicht größten Contrapunktisten unseres Zeitalters“ : Mederitsch hat auf über 6000 Seiten in 30 Sammelbänden eigenhändige Abschriften der Werke von 32 älteren Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts hinterlassen – ich nenne nur 1226 Seiten von Kompositionen Johann Sebastian Bachs, insgesamt 1178 der Bach-Söhne Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann, 268 von Arcangelo Corelli, 101 von Johann Joseph Fux, 323 von Georg Friedrich Haendel, 1002 von Johann Adolf Hasse und 596 seines Lehrers Georg Christoph Wagenseil.[19]

Ein Urteil über den Komponisten Mederitsch ließe sich wie folgt zusammenfassen: Der Schüler Wagenseils verrät dessen profunde kontrapunktische Schule in fast allen seinen Werken, besonders in der Kirchenmusik und in den Streichquartetten. Gerade diese Prägung ist allerdings die Ursache dafür, dass er sich im zahlenmäßig größten Teil seines Œvres, den Streichquartetten, nicht aus den Zwängen des Kontrapunkts befreien konnte . Immerhin sind aber sechs eindeutig von ihm stammende noch 1951 als Mozart-Quartette herausgegeben worden.[20] Und da der Name Mozart jetzt wieder gefallen ist: Mederitsch hat dessen „Phantasie für eine Orgelwalze“ (KV 608) für Klavier zu vier Händen bearbeitet und 1799 bei Traeg in Wien herausgebracht.[21]

Unter Mederitschs Kirchenmusik sind seine drei erhaltenen Messen hervorzuheben. Sie entsprechen in allem dem durch Joseph und Michael Haydn vertretenen und von Mozart ausgebauten spezifisch süddeutschen Stil mit seiner festlichen, sinnenfreudigen Pracht und farbenbunten Instrumentation, verraten aber auch in Vielem künstlerische Selbständigkeit.

Die Musik seiner Singspiele steht mit ihrer einfachen, volkstümlichen Melodik in der Tradition des Vorstadttheaters seiner Zeit. Mederitschs Begabung für illustrative, tonmalerische, ein theatralisches Geschehen begleitende und unterstützende Schauspielmusik, wie sie ja auch Grillparzer bezeugt, lässt sich am besten an seiner bereits genannten Bühnenmusik zu Shakespeares Macbeth (5 Ouvertüren zu den einzelnen Akten, Melodramen und Gesänge der Hexen, Geistermarsch und Finale) beobachten. Es ist wohl kein Zufall, dass er noch in der letzten Zeit seines Lebens an Musiken zu Stücken Shakespeares gearbeitet hat.[22]

An dieser Stelle will ich noch auf den von Grillparzer so unfreundlich kommentierten Anteil Mederitschs an der Oper Babylons Pyramiden eingehen: „ Bestellte Arbeiten konnte niemand von ihm erhalten, eine begonnene Oper musste der Kapellmeister Winter beenden“. Dazu ist, mit Egon Komorzynski, zu bemerken: Gerade in den 90er Jahren herrschte ein Konkurrenzkampf zwischen Schikaneder, dem Besitzer und Leiter des Freihaustheaters auf der Wieden, und Karl Marinelli, dem Direktor des Theaters in der Leopoldstadt. „Beide Bühnen suchten einander durch volkstümliche Stücke, in denen Scherz und Ernst, Pracht, Zauberei und Humor vereint waren, zu übertreffen […] Dabei durfte man sich mit der Vorbereitung eines neuen Stückes nicht viel Zeit lassen […] Deshalb wurden neu gedichtete Operntexte nicht von einem einzigen Komponisten, sondern aktweise von mehreren vertont. Man sparte dadurch Zeit und die Aufführung konnte früher stattfinden. So ließ Schikaneder auch 1797 zu gleicher Zeit den ersten Akt seiner soeben gedichteten Oper ‚Babylons Pyramiden‘ von Gallus“ und den zweiten von dem bereits auch in Wien prominenten Peter von Winter komponieren. Ein Klavierauszug, verfertigt von dem mit der Geschichte der Aufführungen von Mozarts Die Zauberflöte verbundenen Kapellmeister Johann Baptist Henneberg, ist im Druck erschienen und gibt in seinen beigegebenen prachtvollen Kupferstichen einen Begriff vom Dekorationsprunk und den gewaltigen Massenszenen der Aufführung, an deren Gelingen nicht zuletzt auch Mederitsch, ungeachtet einer geradezu gehässigen Kritik seiner Musik in der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung, Anteil hatte.[23]

Ich will als Anhang zu diesem Abschnitt noch 2 Belegstellen bringen: Die erste stammt aus Goethes Aus meinem Leben. Wahrheit und Dichtung, die zweite aus Grillparzers Kritischen Briefen. Die mangende Ernsthaftigkeit der letzteren Stelle ersuche ich Sie jetzt schon zu entschuldigen

Goethe erinnert sich an seinen ersten Klavierunterricht: „Daß wir das Clavier lernen sollten, war ausgemacht; allein über die Wahl des Meisters war man immer streitig gewesen. Endlich komme ich einmal zufälligerweise in das Zimmer eines meiner Gesellen, der eben Clavierstunde nimmt, und finde den Lehrer als einen ganz allerliebsten Mann. Für jeden Finger der linken und rechten Hand hat er einen Spitznamen, womit er ihn aufs lustigste bezeichnet, wenn er gebraucht werden soll. Die schwarzen und weißen Tasten werden gleichfalls bildlich benannt, ja die Töne selbst erscheinen unter figürlichen Namen. Eine solche bunte Gesellschaft arbeitet nun ganz vergnüglich durcheinander, Applicatur und Tact scheinen ganz leicht und anschaulich zu werden, und indem der Schüler zu dem besten Humor aufgeregt wird, geht auch alles zum schönsten von Statten“. Der Mann wird aufgenommen, Goethe und seine Schwester werden aber enttäuscht, da sich der Lehrer als trockener Pedant erweist. Aber dann, während einer ihrer Klavierstunden: „Einer meiner Gespielen trat herein […] und auf einmal eröffneten sich die sämmtlichen Röhren des humoristischen Springbrunnens; die Däumerlinge und Deuterlinge, die Krabler und Zabler, wie er die Finger zu bezeichnen pflegte […], waren auf einmal wieder vorhanden und machten die lustigsten Männerchen.“[24] – Sie erinnern sich: Mederitschs „Unterricht war eine Reihe von Kinderpossen. Die Finger wurden mit lächerlichen Namen bezeichnet: der schmutzige, der ungeschickte“. Also eine Parallele zu seiner Unterrichtsmethode? Oder eine unter Kavierlehrern eben übliche Praxis? Ich möchte den Vergleich nicht überspannen.

Franz Grillparzer hat mehre kurze Satiren gegen die Aufnahme von König Ottokars Glück und Ende durch einen Teil des Publikums geschrieben. Sie sind im oft einfältig-enthusiastischen Stil der Wiener Theaterzeitung gehalten und wurden von ihm kurz nach seiner Aufnahme in die Ludlamshöhle dort am 22.3.1826 vorgelesen:

„Viktoria! Ein vaterländisches Stück auf der Bühne! Stelle dir vor! Marchegg wird darin erwähnt, Horn, und Krems, wo wir so oft Bratwürste mit Senf gegessen haben; ja der letzte Akt spielt sogar in Götzendorf, unserm gemeinschaftlichen Geburtsorte. Wer gibt mir Worte? Ich habe nur Tränen! Viele wollen behaupten, das Stück hinge nicht gar wohl zusammen; was frage ich darnach! Genug, der fünfte Akt spielt in Götzendorf. – Leb wohl! Ich drücke dir die Hand, Freund! Bruder !! Landsmann!!! Götzendorfer!!!! – Hans Dampf.“[25]

Ich habe diese schöne Probe von Grillparzers satirischer, aber auch selbstironischer Seite nicht unterdrücken können. Aber: Was hat sie mit unserem Johann Gallus Mederitsch, detto Mederitsch-Gallus, zu tun? Natürlich nichts, aber immerhin: Sein Vater Anton ist im niederösterreichischen Götzendorf geboren!

Doch wieder zurück zur Seriosität und zu einer sich bekanntlich der höchsten Seriosität verpflichtet fühlenden Wissenschaft: der klassischen Philologie. Ob auch der Lehrer Grillparzers am Gymnasium bei St. Anna und dann an der Wiener Universität, Anton Joseph Stein, diesem hohen Ideal in allem entsprochen hat, wird sich im Folgenden zeigen.

Sein äußerer Lebenslauf war jedenfalls keineswegs unkonventionell.[26] Am 24. März 1759 in Bladen im damalgen preussisch Schlesien als Sohn eines herrschaftlichen Kanzleibeamten geboren, besuchte er das Gymnasium in Leobschütz und absolvierte die philosophischen Jahrgänge an der Universität Breslau. Steins „unbezähmbare Lust, durch Wald und Feld zu schwärmen“, wie Constant von Wurzbach es formuliert hat, „drängte ihn, in die Welt, zunächst nach Rom zu gehen“.[27] Auf dem Weg dahin kam er nach Wien, gab seinen Plan auf und blieb hier, um seine Kenntnisse der italienischen Sprache zu vertiefen, studierte aber auch Französisch, Englisch, Spanisch und Altgriechisch. 1781–1784 Hauslehrer der Grafen Leopold und Joseph Daun, bewarb er sich 1785 erfolgreich um das Lehramt der Poetik, also der obersten Klasse, am Akademischen Gymnasium, kam 1802 in der selben Eigenschaft ans Gymnasium bei St. Anna und wurde 1806 zum Professor der klassischen Philologie und klassischen Literatur an der Wiener Universität ernannt. Lehrer einer ganzen Generation von Schülern (nicht nur eines Grillparzer, sondern auch, um nur einige weitere Literaten zu nennen, von Anastasius Grün, Ludwig Deinhardstein, Johann Gabriel Seidl, Friedrich Halm), ging Stein 1825 in Pension und starb am 4. Oktober 1844 in Wien. Sein Nachlassvermögen betrug 374 Gulden, 33 Kreuzer.[28] Sein Grab am Wiener St. Marxer Friedhof ist erhalten.[29]

Der konventionelle, zeitkonforme Lebenslauf eines würdigen Universitätsprofessors! Aber: Stein wird im Urteil seiner Schüler und Zeitgenossen als eine sowohl als Lehrer als auch in seiner Lebensführung und –haltung höchst eigenwillige, im Lichte der zu seiner Zeit herrschenden Konventionen sogar exzentrische Persönlichkeit geschildert. Der Bühnendichter und Schriftsteller Eduard von Bauernfeld z.B. erinnert sich: „Stämmiger, kräftiger alter Mann, nachlässig gekleidet, mit offener haariger Brust und struppigem Bart. Dieser philologische Diogenes besaß großes Wissen, nur verstand er es durchaus nicht, sich fruchtbar mitzuteilen oder die Jugend für sich selbst zu begeistern. Mit der Erklärung einer einzigen horazischen Ode brachte er wohl acht Tage zu; dabei kam er vom hundertsten ins tausendste, schimpfte über die Jugend, über Billardspielen, übers Biertrinken, wie über das dem Verfasser des ‚amor Kapnophilos‘ verhaßte Tabakrauchen.“[30] Ich werde darauf noch zurückkommen.

Eine weitere Charakterisierung Steins: Hermann Rollett, der Chronist von Baden bei Wien, wo sich Stein jedes Jahr einige Wochen aufhielt, schreibt über ihn: „ Der kleine, untersetzte, starkknochige Mann mit dem stark gerötheten Angesichte und mit den kurzen grauen Haaren und stoppeligem Backenbarte hatte mancherlei Eigenthümlichkeiten, die er in gewohnter, jedenfalls nicht wenig auffallender Weise geltend machte. Als Naturfreund ging er zum Beispiel häufig früh Morgens von seiner Wohnung in der Wiener Vorstadt Landstraße […] rüstigen Schritts über den weit mehr als eine Stunde dahinter liegenden Kahlenberg in die Vorlesung!“ Auf seinen Badener Streifzügen sammelte er auffallend geformte Baumrindenstücke und Geröllsteine auf, „die er mit wenigen Strichen dann in die frappantesten Figuren verwandelte“. Stein wurde auf diesen Exkursionen, so wieder Rollett, „von Nichtunterrichteten öfter für halbverrückt gehalten, wenn sie ihn mit gesenktem Kopfe emsig suchend auf den Waldwegen oder im oft wasserarmen Flußbette der Schwechat stundenlang herumschreiten sahen […]“[31] Wir fühlen uns an Beethoven erinnert, der, wie zahlreiche Eintragungen in seinen Konversationsheften zeigen, mit dem Lehrer seines Neffen Karl gut bekannt war (Karl studierte vom Oktober 1823 – Mai 1825 an der Universität Wien klassische Philologie), seinen pädagogischen Rat einholte und auch sein 1819 anlässlich einer Hochzeit im Hause Giannattasio del Rios, des Leiters des von Karl besuchten Erziehungsinstituts, komponiertes Hochzeitslied (WoO 105) auf ein Gedicht Steins geschrieben hat.[32] Stein hat ihm ein epigrammatisches Denkmal, In obitu Beethovii, gesetzt, in dem er die Wiederankunft der Vögel im Frühling begrüßt (Beethoven ist ja, wie bekannt, im März gestorben) und fortfährt:

Una sed ah! dulcis nunquam philomela redibit;

Namque est cum magno mortua Bethovio.[33]

Der Dichter Stein! Seine literarischen und poetischen Arbeiten – deutsche und lateinische Gelegenheitsgedichte, Epigramme, Übersetzungen – sind teils in Almanachen und Zeitschriften, teils auch selbständig erschienen. Auf zwei von diesen möchte ich nun näher eingehen.

Österreich stand in den Jahren 1788 und 1789 im Krieg mit der Türkei.[34] Er wurde gemeinsam mit dem verbündeten Russland auf dem Boden des heutigen Rumänien ausgetragen und fand in der Wiener Öffentlichkeit und Publizistik großen Niederschlag. Der patriotischen Stimmung hat auch Mozart strategisch Rechnung getragen und mit mehreren Kompositionen zur „inneren Aufrüstung“ des Publikums beigetragen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich unter den 162 Pränumeranten einer 1788 erschienen Gedichtsammlung Oesterreichische und türkische Kriegeslieder auch „Herr Mozart, Tonkünstler in Diensten Seiner k.k. apostolischen Majestät“ findet. Es handelt sich um einen Zyklus von 16-strophigen Gedichten (davon 10 in Jamben, 6 in Trochäen, meist in der Form ABAB oder AABB). Der Autor dieser Gedichte war Anton Joseph Stein.

Ihr Inhalt: der von Gott gesandte Kaiser als Garant des Sieges; ein in den Krieg ziehender Sohn tröstet seinen besorgten Vater; den Klagen eines Türken über die von ihm imaginierte Grausamkeit des kriegführenden Joseph wird eine Lobrede des Autors auf diesen entgegengesetzt; die Angst einer Frau und Mutter um das Leben ihres Gatten usw. Im Gedicht Fritz wird das erzieherische Anliegen Steins deutlich, aber auch seine Neigung zur Satire: Ein kriegsdienstunwilliger junger Mann beklagt sein Schicksal, das ihn den Freuden seines Lebens (Müßiggang, Liebesgeschichten, Trinken, Spiel, Bälle, Theater, Tierhetzen usw.) entzieht. Der Jüngling schließt mit dem Entwurf seiner eigenen Grabschrift:

Den Wandrer laßt die Züge lesen:

„Der hier sein Ruhebette fand,

ist einst ein Patriot gewesen,

Erstarb den Tod – im Vaterland.“

Das letzte, unvollendete, Gedicht, An die Geister der Helden des alten Griechenlands, ist charakteristisch für den lehrenden Stein: Der Heldengeist der griechischen Feldherrn Miltiades, Themistokles, Pausanias und Kimon wird unter Anführung ihrer jeweiligen Verdienste um das Vaterland als Vorbild für die aktuelle Gegenwart heraufbeschworen. Der gewissenhafte Philologe gibt auch die von ihm dazu benützte Quelle an: die Vitae des Cornelius Nepos, wobei er diesem zur Pflichtlektüre aller Lateinschüler bis zu meiner Zeit zählende Werk nicht nur inhaltlich, sondern sogar in jener Reihenfolge wie bei Nepos folgt.

Mozart hat keines dieser Gedichte vertont, sie waren, wie er sich über das poetische Produkt eines anderen Dichters geäußert hat, „zu übertrieben, schwülstig für meine feinen Ohren“[35]. Demgegenüber muss aber auch betont werden, dass Steins lateinische und griechische Gedichte von ungleich höherem Wert sind und er in seiner Anthologia epigrammatum latinorum recentioris aevi, Wien 1816, einen wertvollen und seiner Zeit weit vorauseilenden Beitrag zur Erweiterung des klassischen Lektürekanons geleistet hat.

Seiner Zeit weit vorauseilend! Das trifft, allerdings nur in seinem Anliegen, nicht im Resultat, auf Steins 1829 veröffentlichtes lateinisches Gedicht Amor kapnophilus. Carmen nuper repertum nunc commentario philologico, aesthetico, ethico illustratum zu. „Amor, der Tabakfreund“ präsentiert sich den Grazien, den Göttinnen des „honestum et decorum“ (des Schicklichen und des Anstandes) pfeiferauchend und wird von diesen mit Abscheu geflohen. Der Abscheu Steins vor dem Tabakrauchen, immer wieder, auch von Grillparzer, erwähnt, kommt in diesem Gedicht aufs deutlichste, ja überdeutlichste zum Ausdruck, allerdings in einer Form, die vermuten lässt, dass Bauernfeld mit seiner Charakterisierung des Lehrstils des Autors, mag diese auch subjektiv sein, im Wesentlichen doch recht hatte : Die bereits zu seiner Zeit zu Recht als antiquiert erachtete Neigung Steins, sich zur Beweisführung auf möglichst viele „auctoritates“ zu berufen, seine Lust an gelehrten Exkursen quer durch die Literatur von der antiken Klassik bis zu seiner Zeit hat den Philologen dazu verleitet, die lediglich 18 lateinischen Distichen seines Gedichtes mit 52 Seiten Einleitung und 69 Seiten Kommentar (beide auf Deutsch) zu versehen und dem Ganzen noch 45 Seiten mit einschlägigen Sentenzen, nebst ebenfalls lateinischen Kommentaren, anzufügen.

Nebenbei: Eine Aktualisierung von Steins Kampf gegen das Tabakrauchen mit der Gegenwart ist, so verlockend sie auch wäre, nicht am Platze, denn das leitende Anliegen der heutigen Maßnahmen gegen das Rauchen, der Schutz der menschlichen Gesundheit, wird man in seinem Amor kapnophilus vergeblich suchen. Stein argumentiert vielmehr auf jenen Ebenen, die ihm vertraut waren und die er im Untertitel seiner Streitschrift auch angekündigt hat: auf dem der literarischen Überlieferung, auf dem der Ästhetik, und auf dem der Ethik.

Ich habe oben in einer Parenthese Franz Grillparzer erwähnt. Das führt mich zu diesem und auf seine Verbindung mit Stein zurück. Der Schüler am Gymnasium bei St. Anna und dann Hörer der philosophischen Jahrgänge an der Universität ist in seiner Selbstbiographie mehrmals auf seinen Lehrer zu sprechen gekommen. Stein, damals Professor der Poetik am Gymnasium, hatte ihm „ohne Anstand erklärt, daß unter allen diesjährigen Schülern ich das wenigste Ohr für den Vers hätte.“ Der so Eingestufte bekennt jedoch selbst: „Wir bekamen nämlich als Aufgabe, zerbrochene deutsche Hexameter […], wieder zusammenzusetzen und wieder einzurenken. Ich, der ich vom deutschen Verse keine andere Vorstellung hatte, als daß sich die Zeilen reimen müßten, setzte die unglückseligen Hexameter nach dem beiläufigen Gleichlaut der Schlußworte zusammen, nicht ohne Rhythmus, aber ohne Spur von Metrum.“[36] Das Urteil des Philologen Stein war also diesbezüglich gerechtfertigt.

Doch Grillparzer fährt fort: „Es kam bald eine Gelegenheit, die ihn eines besseren überzeugen konnte. Wir bekamen über Sonntag die Aufgabe, deutsche Verse, ein Gedicht über einen beliebigen Gegenstand zu machen […] Ich verbrachte den ganzen Sonntag in fruchtlosem Nachsinnen oder vielmehr in gedankenloser Stumpfheit“ . Der Anblick des nächtlichen Mondes hat den Dreizehnjährigen dann aber zur 1. Strophe seines Gedichtes An den Mond inspiriert:

Wandle, wandle, hoher Schimmer,

Wandle über Berg und Au,

Gleitend wie ein kühner Schwimmer

In des stillen Meeres Au.[37]

Der sonst so selbstkritische Dichter hat diese Strophe mit dem Zusatz „Der Anfang wäre gut genug gewesen“ noch 1853 des Zitates in seiner Selbstbiographie für wert befunden, wenn er auch die folgenden mit „ich fügte noch ein paar ungeschickte Strophen hinzu und hatte so wenigsten mein Pensum für morgen zu Stande gebracht“ abgetan hat. Er fährt fort: „Unglücklicherweise wurde unser Professor Stein, der Sinn genug hatte, um auch in dem Wenigen die Spuren von Talent zu erkennen, des andern Tags krank gemeldet […] Es sollte aber bald eine andere Gelegenheit kommen, mich in ein vorteilhafteres Licht zu setzen. Bis jetzt hatte ich die lateinische Sprache nur als eine traurige Notwendigkeit betrachtet, aber wir kamen auf Horaz und da fühlte ich zuerst ein Bedürfnis, das bisher Vernachlässigte nachzuholen. Vor allem aber zog die Aufmerksamkeit des Professors auf mich, daß meine, nicht Sprach-, wohl aber Sinn- und Sacherklärungen immer die richtigen waren. Er fragte mich öfter: woher ich alles das wüßte? Worauf ich ihm antwortete: mir schiene es eben so.“ Das nun folgende Eingeständnis Grillparzers ist, wie ich denke, ein Indiz dafür, dass sich schon in dem jungen Gymnasiasten jene beiden Seiten seines Wesens gezeigt haben, die für seinen Charakter und für sein literarisches Schaffen stets präsent bleiben sollten: „Leider wurde sein Anteil an mir durch jenen […] in mir, ganz gegen meine Natur, erwachten Hang zur Lustigkeit in Schatten gestellt, zufolge dessen ich, während ich laut und öffentlich den Horaz mit Sinn und Verständnis kommentierte, bald darauf heimlich und leise meinen Nebensitzenden parodische und skurille Deutungen zuflüsterte, die Lachen erregten […] Wenn nun Professor Stein um die Ursache des Gelächters fragte und diese und mich als Urheber erfuhr, kam er in ebenso heftigen Zorn als er sich mir vorher als geneigt zugewendet hatte und unsere wechselseitige Stellung befestigte sich nie“. Und trotzdem hat der in seinem Philologenherz so tief gekränkte Stein Grillparzer einen Tag danach als einen unter den fünf Besten der Schule zur öffentlichen Abschlussprüfung antreten lassen. Die Lektüre von Horaz war für Stein also nicht bloß ein Exerzierfeld für rein philologisch-pedantische „Spracherklärung“, sondern sie war auf „Sinn- und Sacherklärung“, also auf Interpretation in allen ihren Aspekten ausgerichtet. Und dafür war und ist (gegen den oben zitierten Bauernfeld, dass Stein „mit der Erklärung einer einzigen horazischen Ode wohl acht Tage zubrachte“) eben längere Zeit nötig, wenn auch nicht, das muss ich zugeben, eine ganze Woche.

Es darf also gesagt werden: Wenn Grillparzer auch, wie Bauernfeld, der ausufernden Gelehrsamkeit Steins kein gutes Zeugnis ausgestellt hat („Er […] quälte sich und uns mit der Zerfaserung der gewählten Autoren, wobei seine heftige Wunderlichkeit es nicht an Spaß fehlen ließ“)[38], so gedenkt er seines Lehrers doch schließlich mit unverhohlener Sympathie, bezeichnender Weise abermals im Zusammenhang mit einer vom Dichter namentlich genannten poetischen Produktion: „Er ließ uns auch Stilübungen treiben, wobei uns oft die Wahl des Gegenstandes überlassen war. Da brachte ich ihm einmal ein ziemlich mittelmäßiges Gedicht: der Abend.[39] Er las es mit Lob in der Klasse vor, wobei denn doch ein gewisses Mißvergnügen durchschimmerte. Am Schluß der Stunde rief er mich zu sich und fragte: von wo ich das Gedicht abgeschrieben hätte? Ich sagte, ich hätte es selbst gemacht. Da brach er los und kündigte mir seine Verachtung für meine Lügenhaftigkeit an. Er war auch das ganze Jahr über nicht zu begütigen und erst spät, nachdem schon meine ersten dramatischen Arbeiten erschienen waren, suchte er seine Ungerechtigkeit durch das liebevollste Entgegenkommen wieder gut zu machen; ja erlaubte mir sogar, in seiner Anwesenheit eine Zigarre zu rauchen, die höchst denkbare Gunst, da er den Tabak in allen Formen mit der ihm natürlichen Übertreibung haßte.“[40]

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Des Erzählens über Anton Joseph Stein wäre kein Ende, ich habe Sie z.B. nicht mit der höchst lebendigen Schilderung einer Wanderung mit seiner Klasse auf den von ihm so geliebten Kahlenberg bekannt gemacht, die uns Mathias Franz Perth geschildert hat, der weitem fleißigste Tagebuchschreiber des Biedermeier und darüber hinaus.[41] Perth war es auch, der seinem Lehrer mehrmals, einmal sogar in einem allerdings sehr unbeholfenen Gedicht, geradezu enthusiastisch dafür dankt, dass er ihn selbst und seine Mitschüler zum Schreiben eines Tagebuches angeregt hat, „nicht etwa“, so sagte Stein im Jahre 1803, „um ihre Lebensgeschichte der Nachwelt zu hinterlassen, denn manche werden vielleicht im Ruhestande ihre Lebenstage dahinbringen, manche werden vielleicht keine großen Abentheuer zu bestehen haben, sondern blos darum thun sie es, […] weil es immer eine angenehme Erinnerung ist, sich nach verflogenen Jahren wieder an seine frühen Tage, ja sogar an seine Jünglingstage zu erinnern“.[42]

Ohne eine voreilige Parallele ziehen zu wollen – und nur am Rande –, möchte ich daran erinnern, dass Franz Grillparzer im Jahre 1808 begonnen hat, ein Tagebuch zu führen.

Und so bin ich am Ende meines Vortrags wieder bei Grillparzer angelangt. Es bleibt nur noch ein Epilog: Im Jahre 1843, ein Jahr vor Steins Tod, ist die Sammlung Deutsche, lateinische und griechische Gedichte von Anton Jos. Stein, k.k. Rath und emerit. Professor der klass. Literatur an der Wiener Universität erschienen. Unter den 121 Subskribenten hat sich auch „Herr Grillparzer Franz, Director des Archivs der k.k. Hofkammer in Wien“ befunden.

1 Zitiert nach: Franz Grillparzer. Sämtliche Werke, hrsg. von Peter Frank – Karl Pörnbacher, Bd. 4, München 1965, S. 40. Im Folgenden zitiert als F. – P.

2 Ebd., S. 41.

3 Ebd., Bd. 2, S. 557–576.

4 Zu Ridler s. Hubert Reitterer, Ridler, Johann Wilhelm, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815 – 1950, Bd. 9, Wien 1988, S. 134f. (mit Werks- und Literaturverzeichnis). „Hammer-Purgstall (s. d.)“ ist dort in „dem klass. Philologen Franz Hammer“ zu korrigieren.

5 Kurt Blaukopf, Pioniere empiristischer Musikforschung, Bd. 1, Wien 1995, S. 36.

6 Walter Pongratz, Geschichte der Universitätsbibliothek Wien, Wien 1977, s. Reg., Zit. S. 46.

7 Ebd., S. 60.

8 Ebd., S. 60.

9 Zu diesem s. Hubert Reitterer, Josef Adolf Hanslik als Bibliotheksbeamter und Satiriker, in: Eduard Hanslik zum Gedenken. Bericht des Symposiums zum Anlass seines 100. Todestages, Tutzing 2010, S. 139–162.

10 Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe. Hrsg. von der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg. Gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, aufgrund deren Vorarbeiten erläutert von Joseph Heinz Eibl. Erweiterte Ausgabe … hrsg. von Ulrich Konrad, Bd. 3, Kassel – Basel – London – New York – Prag 2005, Nr. 725.

11 F. – P., S. 25.

12 Ebd., S. 29.

13 Im Folgenden s. Hubert Reitterer, Mederitsch, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Ausg., Personenteil, Bd. 11, Kassel – Basel – London – New York – Prag, Sp. 1446–1448 (mit Werks- und Literaturverzeichnis).

14 F. – P., S. 30f.

15 Franz Grillparzer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe … hrsg. von August Sauer – Reinhold Backmann, Abt. 2, Bd. 5, Wien 1924, S. 215–217.

16 Walter Hummel, W. A. Mozarts Söhne, Kassel – Basel 1956, S. 151–153, Zit. S. 152.

17 Ebd. S. 153.

18 Theodor Aigner, Thematisches Verzeichnis der Werke von Johann Mederitsch detto Gallus, München 1974.

19 Ders., Johann Gallus Mederitsch. Komponist und Kopist des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts, in: Die Musikforschung, Jg. 26, 1973, S. 341–343; Annerose Koch, Johann Georg Anton Mederitsch detto Gallus (1752–1835) in seiner Bedeutung als Kopist von Werken deutscher Komponisten des 18. Jahrhunderts, unter anderem von Georg Friedrich Händel, in: Festschrift Werner Felix zum 70. Geburtstag, hrsg. von Torsten Fuchs – Michael Zock, Frankfurt (Oder) 1997, S. 67–79.

20 Wolfgang Amadeus Mozart. Sei Quartetti capricciosi … Erstmalig hrsg. von Kurt Heinemann, B. Schott’s Söhne, Mainz – Paris 1951. Vgl. dazu Theodor Aigner, Johann Mederitsch, called Gallus (1752–1835), in: current musicology, Nr. 20, 1975, S. 86, mit Anm. 8.

21 Theodor Aigner, Thematisches Verzeichnis (wie Anm. 18), S. 207.

22 Vgl. ders., in: current musicology (wie Anm. 20), S. 85. Eine ausführliche Besprechung bei Egon Komorzynski, Grillparzers Klavierlehrer Johann Mederitsch, genannt Gallus (1752–1835), in: Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft, F. 3, Bd. 3, Wien 1960, S. 66–71.

23 Egon Komorzynski (wie Anm. 22), S. 63–66.

24 Goethe’s sämtliche Werke in vierzig Bänden, Bd. 20, Stuttgart – Augsburg 1857, S. 137–139.

25 F. – P., S. 76.

26 Zu ihm s. Hubert Reitterer, Stein, Anton Joseph, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Bd. 13, Wien 2010, S. 146 (mit Werks- und Literaturverzeichnis); ders., Mozart, der Türkenkrieg und Anton Joseph Stein, in: Wiener Figaro. Mitteilungsblatt der Mozartgemeinde Wien, Jg. 68/17, März 2011, H. 1, S. 3–11.

27 Constant v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich …, Tl. 38, Wien 1879, S. 20–23.

28 Wiener Stadt- und Landesarchiv, Magistratisches Zivilgericht – A 2 – Faszikel 2 – Verlassenschaftsabhandlung Anton Stein.

29 Siehe Gerhardt Kapner, Freiplastik in Wien, Wien – München 1970, S. 216. Das Grabdenkmal wurde von einem Schüler Steins, Ignaz Kron, gestiftet. Die bei Kapner als unleserlich angegebenen Stellen der Inschrift können z. Tl. ergänzt werden (Wiener Zuschauer, 23. 12. 1844, S. 1629); sie fasst die Persönlichkeit Steins treffend zusammen: „Magistro eidemque amico / doctrina et probitate claro“ (Dem wegen seiner Gelehrsamkeit und Rechtschaffenheit berühmten Lehrer und Freund).

30 Eduard Bauernfeld, Aus Alt- und Neu-Wien, Wien 1923, S. 11f.

31 Hermann Rollett, Neue Beiträge zur Chronik der Stadt Baden bei Wien, Bd. 7, Wien 1894, S. 80–83, Zit. S. 81.

32 Siehe Alexander Wheelock Thayer – Hermann Deiters, Ludwig van Beethovens Leben, Bd. 4, Leipzig 1907, S. 155, 519, 521; Willy Hess, Zu Beethovens Hochzeitslied vom Jahre 1819, in: Veröffentlichungen des Beethovenhauses in Bonn, NF, R. 4, Schriften zur Beethovenforschung 7, Bonn 1972, S. 179–182; Ludwig van Beethoven. Briefwechsel. Gesamtausgabe, hrsg. von Sieghard Brandenburg, Bd. 4, München 1996, S. 155, 167, 233, 237, Bd. 5, S. 41f.

33 „Nur eine allein, die süße Nachtigall, wird, ach, niemals zurückkehren; denn sie ist mit dem großen Bethoven [!] gestorben“. Anton Joseph Stein, Deutsche, lateinische und griechische Gedichte, Wien 1843, S. 19.

34 Zum Folgenden s. Hubert Reitterer, Mozart … (wie Anm. 26).

35 Es handelt sich um den Bardengesang des Dichters, Bibliothekars und Bibliographen Michael Denis. Mozart hat die Vertonung dieses Gedichtes (KV 386d) unvollendet gelassen. Vgl. Mozart. Briefe und Aufzeichnungen (wie Anm. 10), Nr. 715.

36 F. – P., S. 37f.

37 F. – P., Bd. 1, S. 10f.

38 F. – P., S. 46.

39 F. – P., Bd. 1, S. 27f.

40 F. – P., S. 46.

41 Zu diesem s. Franz Patzer, Die Tagebücher des Matthias Franz Perth (1803–1856), in: Neue Forschungen aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien 1979, S. 11–29; Hubert Reitterer, „… durch lärmende Musik und Jubelschreie aufgeweckt“. Die Wiener Revolution von 1848 im Tagebuch und Flugblatt. Vortrag beim Internationalen Symposion Die Revolution 1848/49 und die Musik, 20.–22. November 2008, Österreichische Akademie der Wissenschaften (im Druck).

42 Matthias Franz Perth, Tagebuch I, 1. 6.–16. 11. 1803, S. 2, 6f., XXXIX, 1. 7. 1827 – 12. 9. 1828, S. 311, 316f. (Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, H. I. N. 226 988).

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